Aktuelles Zeitschrift Veranstaltungen

Die Zeitschrift SchweizerDeutsch hat ihr Erscheinen Ende 2013 eingestellt. Die von 2009 bis 2013 erschienenen 15 Hefte können als PDF heruntergeladen werden (mittlere Spalte).

Im September 2015 ist ein weiteres Faltblatt Mitteilungen des Vereins Schweizerdeutsch erschienen. Es enthält die Einladung zur Jahresversammlung 2015 des VSD vom 14. November 2015 in Lenzburg (vgl. Spalte rechts) und kann hier als PDF heruntergeladen werden.

 

Der Verein Schweizerdeutsch grüßt die 50jährige Muettersproch-Gsellschaft

Zwischen uns fließt der Rhein und bildet, von Sargans bis Basel, eine deutliche Grenze. So breit ist er gar nicht, dieser Fluss. An heißen Sommertagen kann er durchschwommen werden. Und es gibt ja auch Brücken. Aber er bildet doch eine Grenze. Vor manchem Jahrzehnt taten wir, siebenjährig, auf der Schulreise zum ersten Mal zehn Schritte über jene unsichtbare Linie, oben beim Schloss Hohenklingen, und obwohl der Lehrer daneben stand, klopfte uns dabei das Herz.

Wer kennt es nicht, das Heidi-Buch von Johanna Spiri, das ein farbiges Bild der Schweiz in alle Welt vermittelt. Aber auch die Vorstellung vieler Schweizer, die sie sich von Deutschland machen, nährt sich aus diesem selben Jugendbuch von 1880. Die gütige und weise Großmutter Sesemann, das scharfe und gestrenge Fräulein Rottenmeier und der menschenfreundliche Diener Sebastian stehen uns Modell für die Menschen in diesem großen und fernen Land.

Wenn wir nun aber heute den Schritt über die Brücke tun, siehe da:
mit dene chasch ja rede! die schwätzed fascht gliich wie miir: mundaart. die sind öis zürcher so nœch wie d bèèrner oder d wallisser. si händ di gliich mueterspraach.

Wenn von Zeit zu Zeit Experten der PISA-Studie daherkommen und unserer Schülerpopulation einmal zur Abwechslung mäßige oder mangelhafte Sprachbeherrschung attestieren, soll daran die Mundart schuld sein. Man will sie uns vermiesen. Dass wir nebeneinander Mundart und Hochdeutsch sprechen, soll als Grund herhalten für den tieferen Durchschnitt beim Test, und es gibt Bestrebungen, dass die Kinder von Anfang an im öffentlichen Raum nur noch eine einzige Sprache sprechen sollen. Was ist denn mit den großen Sprachmeistern Mörike und Schiller und Hebel und Hölderlin? Haben sie etwa einen Schaden davongetragen, dass sie mit Mundart aufgewachsen sind? Ist nicht ein bedeutender Anteil der deutschen Dichter am Rand des deutschen Sprachraums und damit im befruchtenden Spannungsfeld von Mundart und Hochdeutsch groß geworden?

das hämer gmëinsam, uf beedne siite vom rhi, dass mer öis müend arrangschiere mit dère bsundere laag. nëi, das isch këin naachtëil, das isch es privileeg, e beriicherig. und mir wüssed: dem wä‘mer sorg haa.

na hüt ghöört mer ëim aa, ob er vo schaffhuuse oder vo winterthur isch, vo bèèrn oder vo friburg. sogaar de immigrante ghöört mer s aa. d wallisser sind sich gwönt, dass es sich es bitzeli müend aapasse, wënn s mit ‚üsserschwiizer redunt‘, aber suscht verstaat mer sich quèèr dur di ganz düütschschwiiz beschtens, und mit öi ännen am rhi au.

vor 75 jaar isch de verëin schwiizerdüütsch ggründet worde, us der angscht, dass de dialëkt verschwindt (wie i de französische schwiiz de patois). hüt isch daas këis theema mee. dialëkt wird gredt und sogaar vo vilnen au gschribe (sms, mails).

mir fröied öis über e lëbigi muettersproch-gsellschaft, mir gratuliered zum jubilèèum und mir wünsched ales gueti für di nœchschte füfzg jaar.

 

Ein Nachruf von Achim Parterre

Am Stubentisch erzählte Ernst Eggimann von den Emmentalern. Sein Langnauer Wohnhaus war umgeben von einem großen, wilden Garten mit hohen Bäumen. Bäume standen aber auch im Haus: Mitten im Wohnzimmer ragten große, rohe Stämme bis unters Dach, und man wusste nicht recht, ob man drinnen oder draußen war, die Übergänge waren verwischt.

Eggimann war ein Zugezogener. Geboren wurde er 1936 in Bümpliz. Nach dem Studium zog er mit seiner Familie nach Langnau, wo er bis zu seiner Pensionierung als Sekundarschullehrer unterrichtete. Er erzählte davon, wie er in den frühen Siebzigerjahren die Langnauer mit einem Gedicht über grüne Kühe vor den Kopf stieß. Die Emmentaler verstanden keinen Spaß, wenn ein städtischer Poet berndeutsch über ihre Kühe schrieb. Nachdem er damit sogar im Schweizer Fernsehen aufgetreten war, drehten sich die Leute am Stammtisch nach ihm um, wenn er den Gasthof Bären betrat. Einer sagte: Grüeni Chüe. So ne Seich. […]

Eggimann interessierten die Kräfte in der Mundart, die noch nicht geweckt waren. Die Mundartdichtung war in den Sechzigerjahren im Blümchenmanieris­mus und im Ton der Balzli-Gotthelf-Hörspiele stecken geblieben. Es war der Berner Pfarrer Kurt Marti, der es wagte, sie wiederzubeleben. Die Inhalte waren aktuell, ohne Kitsch, die Schreibweise dem Klang nachgebildet. Eggimann war ermutigt, ein vom Schriftsteller Walter Vogt angeregtes Experiment anzugehen, das sie «Modern Mundart» nannten: zuzuhören und die Sprache selbst dichten zu lassen. So entstand eine spielerische, rhythmische Lyrik, die oft die Sprache selbst zum Inhalt werden ließ. […]

Mit den zwei im Arche-Verlag erschie­nenen Gedichtbänden «Henusode» (1968) und «Heikermänt» (1971) setzte Eggimann ein Ausrufezeichen in der Dialektliteratur. Sein Spiel mit Rhythmus und Klang der Wörter, mit Auslassungen und Wiederholungen, inspiriert die Spoken-Word-Szene bis heute. Zudem sind seine Texte in dem Sinne politisch, als sie kritisch und aufrührerisch sind und auf stille Weise eine Verweigerungshaltung offenbaren. […]

Vor vier Jahren zog sich Eggimann gesundheitshalber in sein Haus nach Südfrankreich zurück. 2012 war es ihm möglich, noch einmal nach Langnau zu reisen, wo ihm zu Ehren der Ernst-Eggimann-Weg eingeweiht wurde. Von seiner Krankheit hat er sich nicht mehr erholt. Der berühmte Emmentaler Dichter, der einst von Günter Grass zum Mundartschreiben ermuntert wurde und uns Mundartautoren noch heute ein Vorbild ist – am 16. Juni ist er 79-jährig in Frankreich gestorben.

 

(Der vollständige Text ist am 19. Juni im «Bund» erschienen.)

 


 


SchweizerDeutsch setzte die Zeitschrift MUNDART. Forum des Vereins Schweizerdeutsch fort. Sie beschäftigte sich mit den verschiedenen Formen der deutschen Sprache in der Schweiz, vor allem mit den Dialekten, und erschien von 2009 bis 2013 dreimal jährlich,

Als PDF können heruntergeladen werden:

SchweizerDeutsch 1/09

SchweizerDeutsch 2/09

SchweizerDeutsch 3/09

SchweizerDeutsch 1/10

SchweizerDeutsch 2/10

SchweizerDeutsch 3/10

SchweizerDeutsch 1/11

SchweizerDeutsch 2/11

SchweizerDeutsch 3/11

SchweizerDeutsch 1/12

SchweizerDeutsch 2/12

SchweizerDeutsch 3/12

SchweizerDeutsch 1/13

SchweizerDeutsch 2/13

SchweizerDeutsch 3/13

Verein Schweizerdeutsch
JAHRESVERSAMMLUNG 2015

Samstag, 14. November 2015, 9.30 Uhr
Apéro ab 9 Uhr
Restaurant Commihalle, Stampfenbachstrasse 8
Zürich

Mitteilungsblatt 2015 mit  Einladung und Geschäften und Bericht von der Jahresversammlung 2014

►VSD Jahresrechnung 2014

VSD Protokoll der Jahresversammlung 2014

 


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